Tja, Scheffe, Du hast recht. Im ersteb Moment wirkt es wenig. Aber wenn Du damit ein Problem hast, was sollen dann die ganzen Armen Italiener machen? Die haben früher nie mit Münzen bezahlt, weil die so gut wie nix Wert waren. Da brauchte man zum Kaufen einer Packung Kaugummi ja schon fast ein Bündel Scheine. Und heute? Nur eine kleine Münze?
Oder was machen die Türken, wenn Sie denn (hoffentlich in ferner Zukunft

) in die EU kommen? Die haben noch mehr Probleme... 37.000 türkische Lira hätten einen Wert von 0,02 oder 2 Cent...
Jetzt aber mal im Ernst. Ich habe mich schon kurz nach der Umstellung daran gewöhnt, und mich gezwungen, nicht umzurechnen... Die Münzen gefallen mir persönlich sehr gut, genauso wie die Scheine, und außerdem finde ich die ideologische Idee eines auch währungstechnisch vereinten Europas sehr schön.
Das ich mich so schnell an das Geld gewöhnt habe, könnte aber auch daran liegen, dass ich mit meiner Frau am Wochenende in der Klinik eines Krankenhauses arbeite. Durch den ständigen Umgang mit Bargeld gewöhnt man sich sehr schnell daran... Aber eines fällt deutlich auf: Das Gros der Menschen realisiert den getiegenen Wert in der Tat nicht. Denn heute bezahlen weitaus mehr Kunden mit 50 Scheinen, als früher mit DM 100 Scheinen...
Ein Wort noch zu diesem Teuro-Schwachsinn:
Eigentlich kann ich es nicht mehr hören, und eigentlich rege ich mich darüber ja auch gar nicht mehr auf...
ABER: Wer die Währungsumrechnung für einen anstieg der Preise und Lebenserhaltungskosten verantwortlich macht, liegt schlicht und ergreifend _FALSCH_.
Im wesentlich gab, bzw. gibt es drei mehr oder weniger Gründe, aus denen die Menschen, vor allem durch geschickte Panikmache in den Medien, den uro verteufelt haben:
1. Gemüsepreise
Kurz nach der Euroumstellung stiegen die Preise für Obst und Gemüse drastisch an. Da kam es schon mal vor, dass ein Kopf Eisbergsalat 1,49 kostete, und alle begannen zu weinen und gaben dem armen, kleinen, gerade auf die Welt gekommenen uro die Schuld.
ABER: Wie in (seriöseeren) Medien zu verfolgen war, leidete die Ernte vieler Landwirte in Europa unter schlechten Bedingungen und so blieben teilweise große Teile der Ernte aus. Das heißt: Weniger Ware verfügbar = Ware wird teurer verkauft...
2. Die Gastronomie
Ein weiterer Punkt, der einen Aufschrei in der deutschen Bevölkerung auslöste, waren die Preiserhöhungen in der Gastronomie. Viele gingen sogar so weit, von einer 1:1 Umrechnung zu sprechen. Doch woran viele nicht gedacht haben: Lange, lange Zeit blieben die Preise in der Gastronomie stabil. Schon viele Jahre haben es die Gastronomen versäumt, die steigenden Kosten an Ihre zahlende Kundschaft weiterzugeben.
Da aber nun die Speisekarten komplett neu gedruckt werden mussten, und auch durch 1., war nun die Chance günstig, die Preiserhöhung, die ja eigentlich schon länger ausstand, nun durchzuführen. An dieser Stelle kann man der Gastronomie natürlich vorwerfen, Ihr Fehler sei es gewesen, so lange zu warten.
3. Ölpreise und Ökosteuer
Die Benzinpreise kletterten schon lange vor der Euroumstellung in astronomische Höhen. Als wir 2000 meine Schwiegereltern nach einer USA-Reise vom Flughafen abholten, wollten sie kaum glauben, dass der Literpreis für Super die DM 2 Marke geknackt hatte.
Näheres dazu:
Im Herbst 2000 erreichte der Benzinpreis seinen bisherigen Höchststand, der Preisanstieg betrug zwischen Januar 1999 und November 2000 rund 53 Pfennig pro Liter. Je nach Interessenlage wurden für den Anstieg 1. die Ökosteuer, 2. die Preispolitik der Mineralölkonzerne, 3. die Preise der Ölforderstaaten und 4. der hohe Dollarkurs verantwortlich gemacht. Doch wie setzt sich der Preisanstieg nun wirklich zusammen?
Nur 12 Pfennig, also etwa 25 Prozent, gehen auf die ersten beiden Stufen der Ökosteuer zurück, hinzu kommt der anteilige Aufschlag durch die Mehrwertsteuer von 2 Pfennig. Der größte Anteil der Preiserhöhung, 36 Pfennig, setzt sich aus den gestiegenen Rohölpreisen, dem Dollarkurs und auch der Preispolitik der Mineralöl - Multis zusammen.
Rest:
http://online.wdr.de/online/service/oekosteuer/index.phtml
Für alle, die sich nicht mehr ganz erinnern, die Euroumstellung war zum 01.01.2002, als knapp zwei Jahre später...
Der nun weiter steigende Benzinpreis schlägt sich in vielfältiger Weise auf unseren Alltag nieder, denn schließlich bleibt es ja nicht bei den erhöhten Kosten beim Tanken.
Viele, viele Produkte benötigen Erdöl bei Ihrer Herstellung. Bei fast allem, das in Plastik eingepackt, gewicktelt oder aus Plastik ist, wird Erdöl verwendet, vom Joghurt-Becher bis zur Pillenverpackung.
Desweiteren kommt noch hinzu, dass die Produkte ja auch ausgeliefert werden müssen, und zumindest bei einem Teil dieser Strecke wird ebenfalls Benzin, oder Kerosin, verwendet...
Kurzer Abschweif:
Fassen wir mal zusammen:
Die Leute kaufen weniger -> Der Staat erhöht die Mineralölsteuer, um mehr zu verdienen -> Produkte werden teurer -> die Leute kaufen noch weniger -> Der Staat verdient weniger ...
Ich glaube, dass ist ein klasisches Beispiel für einen Teufelskreis. Bin mal ernsthaft gespannt, wie unsere geohrfeigten Jungs und Mädels in Berlin das wieder hinbekommen wollen....
Zurück zum Thema.
Zusammenfassend bleibt mir nur zu sagen, dass viele Faktoren zusammengekommen sind, aus denen der uro unberechtigter Weise verteufelt wurde. Die Preise wären ohne geklettert, mit oder ohne uro.... Wir sollten lieber froh sein, denn durch den doppelten "visuellen" Wert der DM wären uns auch die Preiserhöhungen _noch höher_ vorgekommen...
Ich will nicht bestreiten, dass das eine oder andere schwarze Schaaf versucht hat, durch die Euroumstellung abzukassieren, aber diese Minderheit ist nicht für die gestiegenen Lebenshaltungskosten verantwortlich.
Ich hoffe, meinen Standpunkt einigermaßen dargelegt haben zu können.
LapisInfernalis