[q=Ullrich Schillig-Strack für Westdeutsche Zeitung]
[size="4"]Nackter stürmt Party der Queen[/size]
17-Jähriger entledigte sich seiner Kleidung
London. Die Gartenparty ist unbestreitbar der Höhepunkt des Londoner Sommers. Der pensionierte Major, der pflichtbewusste Schülerlotse oder der Bischof im vollen Ornat sie alle empfing die Einladung in den weitläufigen Park des Buckingham Palasts als höchste Auszeichnung und genießen ein Tässchen Tee und ein Gurken-Sandwich unter den wohlwollenden Blicken der königlichen Familie. Doch in diesem Jahr störte erstmals ein schwerer Verstoß gegen die Kleiderordnung den allerhöchsten Frieden. Ein Flitzer stürmte das Fest. Schockierend.
Der Flitzer, oder auch Streaker, wie er in seiner Heimat genannt wird, ist ein englisches Phänomen. Nirgendwo sonst auf der Welt findet der Zwang, sich bei großen Ereignissen der Kleidung zu erledigen, so viele Opfer. Ob Cricket oder Fußball, Weitsprung oder Wimbledon was populär ist, lockt die nackten Mann oder auch die nackte Frau aus der Reserve.
Die rätselhaften Hintergründe der populären Offenbarung werden in der Fachwelt noch diskutiert. Aufbegehren gegen das Erbe der prüden viktorianischen Erziehung? Freude beim ungefilterten Anblick der Sonne? Man weiß es nicht. Vieles harrt eben noch der Enthüllung und auch die Umstände des jüngsten Auftritts müssen durch nackte Tatsachen weiter unterführt werden.
Soviel steht aber fest: Ein 17-jähriger Teenager löste sich aus der Menge, spurtete über den gepflegten Rasen in Richtung Gastgeberin und entledigte sich seiner Kleidung. Wie weit der Striptease ging, ob etwa gar die Kronjuwelen zur Besichtigung frei gegeben wurden darüber gehen die Meinungen auseinander. Immerhin soll sich der junge Mann während des Auftritts auf den nackten Hintern geklopft und dabei Juchhu geschrieen haben.
Ein Beefeater, ein Mitglied der Palastwache, beendete den Auftritt mit einem beherzten Rugby-Griff, der den Flitzer zu Boden strecke. Die Queen verhielt sich wie immer in kitzligen Situationen. Sie tat einfach so, als sei nichts passiert. Scotland Yard verhörte den Störenfried, beließ es aber bei einer Verwarnung. Der junge Mann konnte nachweisen, dass er mit einer Einladung den Palast betreten hatte. Seine Eltern hatten ihn mitgenommen.
Die Reaktion der Erziehungsberechtigten ist nicht bekannt. Auch über die Hintergründe des Auftritts wird spekuliert. Ein Reporter will erfahren haben, dass es sich um eine Wette gehandelt habe. Ein gewisser Mark Roberts nennt als Motiv des Flitzers: Es macht einfach Spaß, die Leute zum Lachen zu bringen. Und er weiß, wovon er spricht. Er gilt als Weltmeister der Streaker, mit Internet-Seite und der Hoffnung auf einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.[/q]
Quelle: Westdeutsche Zeitung 2003-07-24

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